Andacht, 6. Juni 2021: Hören, wozu Gott uns ruft

  • erstellt 06.06.2021
  • aktualisiert 06.06.2021

 HÖREN, WOZU GOTT UNS RUFT

Andacht für Sonntag, den 6. Juni 2021 (1. Sonntag nach Trinitatis)

Willkommen zu der Sonntagsandacht auf unserer Homepage. Suchen Sie sich einen ruhigen Platz, an dem Sie nicht gestört werden. Vielleicht stellen Sie eine Kerze bereit. Wenn Sie eine Bibel zur Hand haben, können Sie den Text auch dort mitlesen. Beginnen Sie den Tag in der Gegenwart Gottes!

 

LICHT entzünden

 

ERÖFFNUNG

Im Namen Gottes,

der Leben schenkt und erhält,

im Namen Jesu,

der unser Freund und Bruder geworden ist,

im Namen des Heiligen Geistes,

der Kraft Gottes, die uns tröstet und verwandelt.

Amen.  

 

WORT zum TAG:

Jesus sagt: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10, 16a)

Diese Worte richtet Jesus an seine Freunde. Dieser Sonntag nimmt das Hören in den Blick. Unter den vielen Stimmen, die um uns sind, Gottes Stimme zu hören, ist gar nicht so leicht. Wenn es gelingt, ist es ein Weg des Vertrauens. Heute am Beispiel von Jona, der wohl hört, dass Gott ihn ruft, doch, was er hört, gefällt ihm nicht. Seine neue Aufgabe macht ihm Angst und erläuft weg. Aber Gott geht ihm nach….

 

MUSIK: All Morgen ist ganz frisch und neu (eg 440)

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat eine Klaviermusik zu diesem Lied eingespielt. Einfach auf "Play" drücken...

 

 

GEBET

Gott, du bist mein Schöpfer!

Danke für mein Leben und für diesen neuen Tag.

Ich will mir heute Morgen Zeit nehmen, um auf Dich zu hören.

Manchmal weiß ich genau, was ich tun soll und mache dann doch das Gegenteil.

Und manchmal rede oder handele ich, ohne nach Dir zu fragen.

Erst später merke ich dann: Das war nicht dein Geist, der mich angetrieben hat,

sondern nur mein Eigensinn. Vergib mir, dass ich mich oft taub stelle für das, was gut ist – für mich und für andere. Schenke mir ein offenes Herz, um das zu hören, was Du für mich bestimmt hast. Und gib mir den Mut, nach deinem Wort zu leben. Das bitte ich Dich - durch Christus unseren Herrn. Amen.

 

BIBELTEXT: Jonas Flucht vor Gott

(Jona 1,1 - 2,2 + 11 in Auswahl)

Gottes Auftrag

11Das Wort des Herrn kam zu Jona, dem Sohn des Amittai:2»Auf! Geh nach Ninive, in die große Stadt, und rede ihr ins Gewissen! Ihr böses Tun ist mir zu Ohren gekommen.«3Da machte sich Jona auf den Weg, aber genau in die andere Richtung. Er wollte vor dem Herrn nach Tarschisch fliehen. Als er in die Hafenstadt Jafo kam, lag dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. Er zahlte den Fahrpreis und stieg ein, um mit den Seeleuten nach Tarschisch zu gelangen. So glaubte er, dem Herrn aus den Augen zu kommen.

Jona und die Seeleute

4Doch der Herr ließ einen starken Wind losbrechen, der über das Meer fegte. Der Sturm wurde immer stärker, und das Schiff drohte auseinanderzubrechen…. 7Die Matrosen sagten zueinander: »Auf! Lasst uns Lose werfen! Sie werden uns sagen, wer schuld daran ist, dass dieses Unglück uns trifft!« Also ließen sie das Los entscheiden, und es traf Jona…. 15Dann packten sie Jona und warfen ihn ins Meer. Sofort beruhigte sich die See und hörte auf zu toben….

Im Bauch des Fisches

21Der Herr aber schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang. Und Jona war drei Tage und drei Nächte lang im Bauch des Fisches. 2Im Bauch des Fisches betete Jona zum Herrn, seinem Gott…

Gott hört

11Da befahl der Herr dem Fisch, Jona an Land zu bringen. Dort spuckte der Fisch ihn aus.

 

 

AUSLEGUNG: Hören, wozu Gott uns ruft

Liebe Gemeinde,

Jona ist das krasse Gegenteil von einem Helden! Kein glaubensstarker Prophet, sondern eher ein ängstlicher und vielleicht etwas trotziger Mann. Zum Glück! Denn dadurch finde ich mich in ihm wieder. Jona hört, was Gott von ihm will. Ist es ein Traum, eine innere Stimme, Menschenmund? Das ist zunächst gar nicht wichtig. Entscheidend ist: Es gibt kein Vertun. Jona hört von Gott: Geh nach Ninive! Doch Gottes Wille macht ihm Angst.

Ein Drama spielt sich hier ab – wohl eher in seiner Seele. Und darin bewegt er eine einzige Frage: Wie kann ich dem Willen Gottes entkommen? Wie kann ich mich von einer Aufgabe befreien, die mir zu groß und zu schwer erscheint? Oder – etwas provozierender: Wie kann ich ein Leben leben, in dem nur mein Wille geschieht? Die Antwort ist einfach: Gar nicht! Wir können noch so weit laufen und noch so tief ins Meer sinken wollen – Gott findet uns immer. Nicht, um uns zu vernichten. Sondern, um uns zu dem zu gebrauchen zu dem er uns bestimmt hat. Und von dem ich aber – vielleicht – noch gar nichts weiß. Oder wissen will!?

Vielleicht kennen Sie das auch: Sie haben eine unangenehme Aufgabe vor sich – einen schwierigen Anruf, das Lernen für eine Prüfung, ein Gespräch, in dem Sie sich entschuldigen müssen. Und dann tun sie alles, um diese Aufgabe hinauszuschieben. Heute nicht, vielleicht morgen…am liebsten gar nicht! Obwohl Sie genau wissen, was ansteht…

Jona weigert sich

 

Jona hört, was Gott will. Doch er weigert sich. Ninive - das ist tatsächlich keine angenehme Aufgabe, denn er soll der Stadt die Leviten lesen und ihren Untergang verkündigen. Noch unangenehmer war: Ninive war die Hauptstadt der Assyrer und steht für alles, was einem Israeliten zuwider sein musste. Dort herrschte eine militärische Großmacht, die Leid über Israel brachte, ein Unrechtsregime, das vor Folter und Gewalt nicht zurückschreckte und in der Menschen leben, die mit Gott nichts am Hut hatten. Kurz: Ninive stand für alles, was böse und gottlos war.

Jona tut, was menschlich ist: Gefahr im Verzug - nichts wie weg!

Gott lässt nicht locker

So besteigt er ein Boot, das ihn exakt in die entgegengesetzte Richtung führen soll. Statt nach Osten Richtung Ninive, heuert er an auf einem Schiff nach Westen, Richtung Tarsus an der Westküste Spaniens.

Aber Gott lässt nicht locker. Nachdem Jona die innere Stimme ignoriert hat, redet Gott deutlicher: Er nimmt heidnische Seeleute, einen heftigen Sturm und einen großen Fisch in den Dienst, um Jona zu dem zu gebrauchen, zu dem er ihn bestimmt hat. Die Seeleute werden durch den Sturm in Todesangst versetzt. Von Jona wird berichtet, dass er sich ganz unten im Schiff aufhält und schläft. Einfach nichts mehr sehen und nichts mehr hören.

Eine einfache Methode sich einer Sache zu entziehen: Flucht aus der Wirklichkeit. Die einen stürzen sich in die Arbeit, andere betrinken sich, andere lenken sich ständig ab – nur um sich nicht selbst begegnen zu müssen und der Tatsache ins Auge zu sehen: Etwas ganz anderes ist jetzt dran! Es gibt unzählige Möglichkeiten, um die innere Stimme in uns zu überhören, zu übertönen oder zu betäuben.

In Jona sehe ich einen Menschen, der in seinem Innersten spürt, was seine Bestimmung ist. Der aber vor lauter Angst nicht in der Lage ist, sich dieser Wahrheit zu stellen. Ist uns das fremd? Stillstand und Lähmung kann auch entstehen, wenn ich gar nicht weiß, was dran ist. Vielleicht, weil da zu viele Stimmen um uns herum sind. Die mal das eine und mal das andere raten oder fordern. Woher soll ich wissen, was Gott von mir will? Schön, wenn Jona das wusste, aber wie höre ICH Gott?

Gott hören – wie geht´s?

Im Zooviertel von Hannover sitzt seit 2007 eine kleine Bronzefigur, entworfen von der Künstlerin Ulrike Enders. Dargestellt ist Momo, das kleine Mädchen aus dem gleichnamigen Roman von Michael Ende. Das riesige Ohr in ihren Händen zeigt die besondere Fähigkeit, die sie hat: Momo konnte „ganz Ohr sein“. Zuhören – wie kein anderer. Michael Ende schreibt dazu: „So kam es, dass Momo sehr viel Besuch hatte. Man sah fast immer jemand bei ihr sitzen, der… mit ihr redete. Und wer sie brauchte und nicht kommen konnte, schickte nach ihr, um sie zu holen. Und wer noch nicht gemerkt hatte, dass er sie brauchte, zu dem sagten die anderen: „Geh doch zu Momo!“ Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören!

Das ist doch nichts Besonderes, könnte man meinen. Zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur wenige Menschen, weil die meisten beim Zuhören mit ihren Gedanken schon längst bei ihren eigenen Dingen sind oder über eine schlaue Antwort nachgrübeln.

Wenn wir aber verlernen zuzuhören, verlieren wir den Kontakt zu anderen Menschen genauso wie zu Gott. Denn wer hören will, was Gott will, der muss nicht nur die Stille einüben – sondern auch anderen zuhören! Es hat seinen tiefen Sinn, dass Jesus im Wochenspruch zu seinen Freunden sagt: „Wer euch hört, der hört mich!“ (Lukas 10, 16a). Darin steckt die Erinnerung, dass Gott immer wieder auch durch andere Menschen zu uns spricht – tröstend und stärkend, aber oft sicher auch kritisch, mahnend oder als jemand, der mich auf den Weg schickt. Aber: Hören, was Gott will… und es dann tun – das sind offenbar noch zwei Paar Schuhe. V.a. wenn es unangenehm wird wie bei Jona….

Doch so wenig wie wir unsere inneren Stimme ausschalten können, so wenig kann Jona seinem Auftrag entkommen. Wenn sie die ganze Geschichte nachlesen, erfahren Sie: Er wird von den Matrosen geweckt und sie fragen ihn, warum es ihnen so übel geht. Am Ende lassen die Seeleute das Los sprechen, wer schuld an ihrem Desaster ist.  Und dabei passiert etwas ganz Absurdes: Jona sagt ihnen, wer er ist mit diesen Worten: Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn, den Gott des Himmels. Dabei hatte er ihnen kurz vorher gesagt, dass er vor genau diesem Gott geflohen war…

Das heißt doch: In der Theorie glaubt er an Gott. Aber er will nicht, dass sein Glaube Konsequenzen für ihn hat. Er ist lieber bereit zu sterben, als sich dieser Aufgabe zu stellen. Dann werfen ihn die Seeleute werfen über Bord. Sofort beruhigt sich das Meer.

Im Fischbauch: Der Wendepunkt

Wenn Sie jetzt in der Auferstehungskirche säßen, könnten sie sehen, wie diese Geschichte weitergeht. Gott ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Bauch des Fisches – drei Tage und drei Nächte. (V. 2, 1) Dieser Moment ist in unserem Auferstehungsfenster - auf der rechten Seite, gleich nach der Schöpfung - abgebildet. Denn die drei Tage und drei Nächte werden im Neuen Testament auch als „Zeichen des Jona“ gedeutet. Als Vorabbild der Zeit, die Jesus bis zu seiner Auferstehung bei den Toten verbracht hat.

Diese Fischbauch-Geschichte ist ein Bild für völliges Ausgeliefertsein. Jona sieht keinen Ausweg mehr. Es herrscht Dunkelheit. Er hat keinerlei Kontrolle. Keine Fluchtmöglichkeit. Und genau diese Situation der Machtlosigkeit ist der Wendepunkt.

Wenn ich mit Menschen darüber spreche, was ihren Lebensweg am meisten geprägt hat, dann erzählen sie in der Regel nicht von ihren großen Erfolgen, nicht vom Urlaub mit Vollpension oder der letzten Beförderung. Sondern von den Punkten, als auf einmal alle Sicherheiten wegbrachen. Weil ein Mensch starb. Weil ein Plan gescheitert ist. Weil sie durch ihre schlechte Gesundheit den Arbeitsplatz verloren haben.

Es geht in diesem Teil der Geschichte nicht darum, ob es möglich ist, dass ein Mensch drei Tage in einem Fischbauch überleben kann. Es geht um die Erfahrung einer tiefen Dunkelheit und Verzweiflung, die niemand freiwillig sucht. Und die zugleich zu dem Ort werden kann, an dem wir neu geboren werden. Die australische Schriftstellerin Adele Green hat das so auf den Punkt gebracht: „Auf der Reise durch die dunkle Nacht der Seele lernen wir, wer wir sind, ohne dass uns das jemand erzählt.“

Jona erlebt an diesem Ort eine Verwandlung. Zum allerersten Mal in der Geschichte spricht er mit Gott.Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leib des Fisches… (2, 2-3). Es lohnt sich, dieses Gebet in seiner ganzen Länge nachzulesen.   

Jona gibt sich im Gebet vollkommen in Gottes Hand. Und am Ende dieser Hingabe steht ein Neuanfang – fast wie bei einer Geburt: „Und Gott sprach zu dem Fisch, und der spie Jona ans Land“ (2, 11)

Gott hört

Keine Sorge: Das ist keine Heile-Welt-Geschichte. Kein. Ab morgen wird alle anders. Es ist bei Jona wie bei uns mit Neuanfängen. Sie sind nie zu Ende. Jona begegnet auch in der Zukunft immer wieder seinen alten Vorurteilen, stolpert immer wieder über sich selbst und lernt erst Schritt für Schritt, dass Gottes Barmherzigkeit größer ist als sein kleinkariertes Abrechnen mit guten und bösen Menschen.

Gott spricht immer wieder mit ihm auch später noch – auf verschiedenste Weise, weil Jona Bote für Gott sein soll.

Und wie bei Jona spricht Gott zu uns - durch die leise Herzensstimme, durch andere Menschen oder durch Lebensstürme und – leider – manchmal auch durch die dunkle Nacht der Seele. Ich glaube, dass Gott uns dabei immer nur zu unserer Bestimmung rufen will: Dass wir mehr und mehr zu barmherzigen und liebenden Menschen werden. Denn, was auch immer wir tun – das bleibt das Zentrum.

Amen

 

DANK und FÜRBITTE

Gott, danken dir dafür, dass du uns immer wieder suchst und uns begegnen willst – im Hören auf dein Wort, in der Begegnung mit anderen Menschen, in der Natur und in den Erfahrungen des Alltags. Wir bitten dich: Schenke uns offene Augen und offene Herzen, um deine Gegenwart in unserem Leben immer wieder zu entdecken. Lass uns deine Stimme hören und unser Leben danach ausrichten.

Wir bitten dich für alle, die deine Nähe in ihrem Leben nicht entdecken können und die sich doch nach der Begegnung mit dir sehnen. Zeige Dich ihnen, so dass sie wissen und spüren: Du bist ein Gott, der sie sieht!

Wir bitten dich für die Machthaber in der Welt, für die, die Gefängnistüren öffnen oder schließen; für die Befehlshaber über Militär und Gewalt. Sprich zu ihnen mit einem Wort des Friedens und der Gerechtigkeit.

Wir bringen vor dich alle, deren Leben gerade durch Dunkelheit und Mutlosigkeit geprägt ist. Erfülle sie mit dem Vertrauen, dass du an ihrer Seite bist – auch da, wo sie dich nicht sehen und spüren können. Sei bei denen, die schweres Leid tragen müssen, bei den Erschöpften, Entmutigten und Deprimierten.

In einem Moment der Stille bringen vor dich, was uns jetzt noch ganz persönlich auf dem Herzen liegt:   Stille – 

Gott, du hörst uns ohne Worte. Lass uns zu Hörenden werden. Amen.

 

SEGEN

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lass sein Angesicht leuchten

über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden.

 

INFOS:

Herzliche Einladung

-       zum musikalischen Abendsegen am 11. Juni um 18 Uhr in der Auferstehungskirche. „Geh aus mein Her und suche Freud“ – Gedanken und Orgelmusik zu Paul Gerhadts bekanntem Sommerlied (Katrin Wissemann: Orgel Liturgie: Pfr. Lenz)

-       zu unseren Gottesdiensten am Sonntag, 13. und 20. Juni um 9.45 Uhr in der Auferstehungskirche. Vorankündigung: Am Sonntag, 27. Juni feiern wir wie jedes Jahr einen besonderen Segensgottesdienst für die „Reise“ durch den Sommer.

 

MUSIK: Vertraut den neuen Wegen

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat eine Klaviermusik zu diesem Lied eingespielt. Einfach auf "Play" drücken...

 

 

Wenn Sie über diese Andacht ins Gespräch kommen möchten… gerne!

 

Pfarrerin Ruth Wirths erreichen Sie unter:

Telefon: 02241- 1626892

Mail: r.wirths@ev-kirche-siegburg.de

 

 

 

Quellennachweise:

 

Musik:

All Morgen ist ganz frisch und neu:  Ev. Gesangbuch, Nr. 440, Text: Johannes Zwick (um 1541) 1545 / Melodie: Johann Walter 1541

Von guten Mächten wunderbar geborgen: Ev. Gesangbuch, Nr. 65, Text: Dietrich Bonhoeffer (1944) / Melodie und Satz: Otto Abel 1959

Bildnachweise: