• erstellt 19.03.2020
  • aktualisiert 21.03.2020

„Lätare“, Predigt für den 22.03.2020

Noten+Text

 

Online-Andacht für den Sonntag „Lätare“, den 22.03.2020 Pfarrerin Karin Bayer

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unsere Hilfe kommt von Gott,
der Himmel und Erde gemacht hat,

der Bund und Treue hält ewiglich
und der nicht aufgibt das Werk seiner Hände. Der Herr sei mit uns!

Gebet

Gnädiger Gott,
freuen sollen sich an dir, alle die dir angehören.
Darum bringe ich vor dich meine Sorgen und Ängste. Wandle DU sie in Freude und Zuversicht,
denn auf dich will ich hoffen.
Sättige unsere Sehnsucht nach dir, Herr,
stille unseren Durst nach Leben, denn bei dir ist Freude. Schenke uns Besonnenheit aus der Kraft deines Sohnes, Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Er hat uns den Weg zu dir bereitet und nichts soll uns von deiner Liebe trennen. In seinem Namen bitte ich:
Fülle uns neu mit deiner Liebe, mit Geduld und Lebensmut.

Lätare, das heißt: Freue dich!

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie liebt!
Freuet euch alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.
Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken

und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der Herr:

Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom
und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen
und auf den Knien liebkosen.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.
Ihr werdet`s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras.

Dann wird man die Hand des Herrn an seinen Knechten erkennen
und den Zorn an seinen Feinden.
Jesaja 66,10-14

Der Prophet Jesaja schreibt auf, was ihm von Gott offenbart ist. Seine Schrift- rolle ist im Laufe der Jahre zu einem umfangreichen Werk geworden, das verschiedenste Orakel enthält. Die im Alten Testaments überlieferten Orakel sind meist Ratschläge und Warnungen des biblischen Propheten. Hier lesen wir jedoch ein Heilsorakel für die Knechte des Herrn. Es hat seinen „Sitz im Leben“ ursprünglich im Kult. Das Orakel antwortet auf Anfragen, die Einzelne vor allem in Notlagen am Heiligtum an Gott richten. Das Klagelied des Einzel- nen, finden wir in den Psalmen. Der Form nach sind es formulierte Hilferufe. Die Klagepsalmen weisen nicht selten einen deutlichen Stimmungsum- schwung auf. Mitten im Gebet spürt der Beter die Gnade Gottes und die Klage verwandelt sich in einen Lobgesang. Das bedeutet auch für uns:

Wer bei Gott Hilfe sucht, wird getröstet werden!

Jesaja hat viel „Ach und Weh“ gepredigt, doch im Schlussteil der Rede Gottes, erschallt der Ruf: Freut euch!

Oft beginnen Heilsbotschaften mit den Worten: „So spricht der Herr“.
Ein Beschluss wird verkündet. Die Diener Gottes dürfen zuversichtlich sein. Die Zeit der Trauer ist vorbei. Freut euch mit Jerusalem, der heiligen Stadt! Freut euch über das Heiligtum. Das ist der Ort, an dem man fern von den Menschen und der Welt beten kann. Hier lassen sich Gottes Herrlichkeit
sehen und seine Gedanken verstehen. Hier erhaschen wir einen ungewohn- ten Blick. Ganz unerwartet anders zeigt sich Gott.

Als würde ich verschämt durch einen Türspalt spähen, werde ich Zeugin ei- nes sehr privaten, liebevollen und friedlichen Augenblicks. Vor meinem inne- ren Auge entsteht das Bild der stillenden Mutter und ich bin berührt. Eine herzenswarme, intime Gestimmtheit ist die liebevolle Quelle des Lebensnot- wendigen. Hier ist Frieden. Diese Szene, die unerwartet aufblinkt, bietet An- lass zu Freude und Zuversicht.

Der Herr ist wie eine Mutter, die ihre Kinder liebt. Die Kleinsten legt sie zum Stillen an die Brust. Sie gibt sich selbst und damit alles, was zum Leben nötig ist und wir dürfen sein wie ein hilfloses Kleinkind. Es muss nichts leisten nur voller Liebe auf die Mutter schauen, die es nährt. Gott nimmt sich unser an. Die Zeit des Mangels ist vorbei. Die Mutter ist gesund und kräftig und hat Milch in Fülle. Lasst euch nähren mit Gottes Wort und habt Freude daran!

Der Prophet hat Gottes Ruf vernommen. Die alten Überlieferungen gelten auch uns. Wir erhalten Weisungen und sind aufgerufen, uns vertrauensvoll wie ein Kind an Gott zu wenden. In diesem familiären Beziehungsgefüge wird es uns gut gehen. Gott ist wie ein Vater, zu dem wir aufschauen und den wir betend ansprechen und gleichsam liebevoll wie eine Mutter. Gott verspricht die Fülle. Der Prophet Jesaja beschreibt sie als Ausdruck des Friedens und der Gnade Gottes. Und der HERR verspricht:

„Siehe“, das heißt: Aufgemerkt, hier geschieht etwas Wesentliches!
„Siehe, ich breite aus bei ihr (der Heiligen Stätte) den Frieden wie einen Strom...“
Es wird Frieden sein! Gott der Herr wird dafür sorgen. Er gibt seinen Frieden, der sein wird wie ein breiter Strom, der Leben ermöglicht und das trockene Land mit frischem Grün bedeckt. Der Herr gibt das Wasser des Lebens um- sonst und nicht nur für Jerusalem! Gebt die Hoffnung nicht auf! Friedenszeit bringt Wohlstand. Der Reichtum der Völker wird sein wie ein überströmen- der Bach. Alle Menschen können an der Liebe und Großzügigkeit Gottes

Anteil haben. Allen ist der Weg zu Gott offen. Wie ein kleines Kind im Arm der Mutter liegt und gestillt und liebkost wird, so versorgt Gott die Men- schen, die ihn lieben.

Gott, der Herr, ist für uns da. Er will uns trösten wie eine Mutter das vermag. Diese weibliche, weiche Seite Gottes berührt uns unerwartet, denn auch von einem zornigen Gott berichtet das Alte Testament. Alles hat seine Zeit.
Es gab eine Zeit, da war Jerusalem für Gottes Volk verloren. Der Tempel lag in Trümmern und mit ihm waren alle Hoffnungen zerstört. Menschen verlie- ßen ihre Heimat. Sie kämpften um ihr Überleben und versuchten, ihren Glau- ben zu bewahren. Jammer und Klage, Not und Ratlosigkeit beherrschten das Volk. Der Prophet Jesaja sieht, dass sich die Zeit wandelt. Alle Menschen kön- nen sich an Jerusalem freuen und sie hoffen auf den, der den Menschen die- ser Stadt wieder heilig ist.

Gott, der Herr, ist ein treuer Gott. Das Wort „Heiligtum" meint im Neuen Testament einen heiligen Ort, an dem Jesus Christus Diener ist. Für uns Chris- ten besteht das Heiligtum heute aus dem Licht der Herrlichkeit Gottes wie es in Jesus Christus leuchtet. Seine Wunder und Taten lassen das Licht Gottes erstrahlen. Kein Vorhang verwehrt unseren Blick auf das Allerheiligste, denn der Blick auf Jesus ist frei. Lesen wir die Evangelien, ist er nicht länger fremd. Seine Gedanken werden uns nahegebracht. Er lehrt uns, was zu tun ist: Gott lieben und den Nächsten wie uns selbst. Er lehrt uns zu beten. Er macht uns gerecht. Nun sind wir die geliebten Kinder, die Gott, der Herr, versorgt und versöhnt durch Jesus Christus. Der Weg zu Gott ist frei.

An Jesu Kreuzigung und Auferstehung erinnern wir uns am Sonntag Lätare, denn das ist die Rettung der Menschen. Sie gilt uns allen, denn niemand ist immer nur gut. Die Mitte der Fastenzeit ist überschritten. Der Tag hat des- halb einen fröhlicheren und tröstlichen Charakter. Jesus Christus ist unser Retter und will unser Trost sein.

Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind. Bei ihm ist Trost und Heil. Ja, hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein. (Taizé)

 

Liebe Gemeinde,
dieser Zweizeiler umschreibt des Beters Gottvertrauen. Vielleicht kennen Sie diese kleine Melodie. In Taizé werden Liedverse mehrfach wiederholt gesun- gen. Zunächst stärken sie die Konzentration des Sängers und dann kreisen die eigenen Gedanken mehr und mehr um den Gehalt der Worte. Mag sein, das ist nicht jedermanns Sache, doch mir verschafft dieses Singen und Beten eine innere Ruhe und Besonnenheit. Die gewonnene Gelassenheit einerseits und die Geistesgegenwart andererseits helfen in unseren sonderbaren Zei- ten, den Alltag zu meistern.
Nun lade ich ein, das
Fürbittengebet zu sprechen:

Herr, unser Gott, zu dir rufe ich: Sieh auf unsere Sorgen und Ängste!

Wir denken an unsere Lieben, an die, die nahe sind und die, von denen wir uns fernhalten müssen. Bitte schütze und bewahre sie.
Herr, erbarme dich.

Wir denken an die Müden und Kranken,
an alle, die ihre Wohnung nicht verlassen dürfen. Schenke ihnen Geduld. Richte sie auf und eile ihnen zu Hilfe.
Herr, erbarme dich.

Wir denken an die vielen Menschen, die die Normalität in unserem Alltag aufrechterhalten, die für uns arbeiten und sorgen. Schenke ihnen Verständ- nis für manches unbillige Wort und Ausdauer für ihren Dienst.
Herr, erbarme dich.

Wir denken an die Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten sowie an Ärzte und Apotheker. Sie setzen sich bis zur Erschöpfung für ihre Nächsten ein. Stärke sie, richte sie auf und stelle sie unter deinen besonderen Schutz. Herr, erbarme dich.

Wir denken an Menschen, die in Krisengebieten leben, an Mütter, Väter und Kinder. Sie legen wir an dein gnädiges Vaterherz. Wenn wir keinen Aus- weg wissen, sei ihnen eine liebevolle Mutter und nimm dich ihrer an.
Herr, erbarme dich.

Barmherziger Gott, sei mit deiner Gnade bei uns und bleibe in unserer Mitte.

Vater unser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gibt uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Gott segne Dich und behüte Dich,
Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf Dich
und schenke Dir Frieden.
Amen.

Bleiben Sie bei Gott geborgen, getröstet und freudig in dieser kritischen Zeit, das wünscht Ihnen Ihre Karin Bayer
Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Siegburg
Tel.: 02241/932 55 25, k.bayer@ev-kirche-siegburg.de