Andacht zum 29.03.

  • erstellt 28.03.2020
  • aktualisiert 10.04.2020

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat zur Begleitung zwei Stücke eingespielt, die wir für Sie eingebettet haben, eins zu Beginn und eins in der Mitte - einfach auf "Play" drücken... 

 

 Andacht – An(ge)dacht – das hängt beides mit Denken zusammen, oder?

 

Viel stärker als unser Hirn denkt unser Herz ..  nur anders …
Das geht nicht so leicht runter, weil wir anders geprägt sind. Mir geht eine Bemerkung von Prof. Walter J. Hollenweger nach. Er war Schweizer und Professor für interkulturelle Theologie in Birmingham. Ich habe ihn nicht im Studium kennen gelernt, leider! Ich lernte ihn stattdessen bei Kirchentagen kennen und schätzen. Wenn ich irgendjemand als eine Art theologischen Lehrer für mich bezeichnen könnte .. er wäre es! 2016 ist er verstorben.
 
Langer Vorspruch:
 
Walter J. Hollenweger sagte: „Protestanten glauben mit dem Kopf, Katholiken mit dem Herzen, Afrikaner mit Armen und Beinen“. Punkt!
 
Das kann man nun sehr verschieden auslegen und deuten: Entscheidend ist: alle glauben!! Alle glauben an den einen Gott! Alle glauben, aber auf verschiedene Weise .. Und dieser eine Gott ist kein exklusiver Gott der Christen. Auch Juden und Muslime verehren ihn als den einen, der da war, ist und immer sein wird.
 
Also .. Ein Wort zum Sonntag vor dem Palmsonntag der Fastenzeit … aus christlicher Perspektive.
 
Zu dem Glauben an den einen Gott gehört: 
 
Er ist der Schöpfer. Von ihm geht alles Leben aus und zu ihm kehrt alles Leben zurück.
Er hat dieser Schöpfung eine Ordnung gegeben. Die ersten Verse der Bibel erzählen davon. Kein Protokoll eines dramatischen Urknalls, durchaus aber ein Zeitraffer der Evolution:
 
In sechs Tagen schuf Gott Himmel und Erde, am siebten Tage aber ruhte er von allen seinen Werken. Dieser Tag der Ruhe ist seitdem heilig, ob wir ihn am Sabbat, am Sonntag oder am Freitag feiern, wie die Muslime. Auf ihm ruht der Segen Gottes gemäß der Heiligen Schrift. Nicht der Mensch, die Ruhe ist Gottes letztes Schöpfungstun.
 
Gerne hören und leben wir: 
Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. 
 
Und weiter: der Mensch ist das Maß aller Dinge. 
 
Kein Zweifel: 
 
menschliches Leben hat höchsten Wert!! Es verdient, geschützt, gerettet, geheilt zu werden, wo und wie auch immer das geht. Viele Menschen dienen dem derzeit, oft in Verzweiflung, darum … D A N K E!!!!
 
Großer Zweifel: 
Hatte Gott nur den Menschen geschaffen, isoliert, als Maß aller Dinge?
 
Definitiv NEIN!
 
Krone .. Corona, nicht nur der gleiche Wortstamm, diese Worte sind sprachliche Zwillinge ...
 
Ein  Virus mit diesem Namen stutzt uns gegenwärtig auf weniger als Normalmaß zurück. Vieles, was zum Menschsein gehört, ist ausgesetzt. 
In den Arm nehmen, Küssen, Hände drücken, einander nahe sein, gemeinsam lachen und weinen, … die Liste findet kein Ende. Aber ihre Beschneidung ist präsent..mehr als uns lieb sein kann.
 
Und es fällt auseinander: Die einen können keine Ruhe finden, weil sie über ihre eigene Erschöpfung hinaus arbeiten, um Leben zu retten. Noch einmal D A N K E!!
 
Und die anderen? Ich gehöre auch zu ihnen. Gestern hatte ich eine Beerdigung mit nur einem Angehörigen .. weil die anderen nicht durften!!! wg Corona. Viele Gedanken schwirren in meinem Kopf. Wer bis hierhin gelesen hat, wird das merken.
 
 
 
 
Meine erste Zuspitzung für heute und dieses Wochenende.
 
Während Menschen in Angst, Not und manchmal Panik sind, kann das, was wir Umwelt nennen, endlich einen ausgiebigen Sabbat feiern. „Mitwelt“ wäre der bessere Ausdruck. Es gibt manche Härten, gewiss, aber der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge. Nur zum Vergleich: Tiere sind nach BGB, also dem bürgerlichen Gesetzbuch, SACHEN. Obwohl auf ihnen gemäß dem Schöpfungsbericht auch der Segen ruht …
 
Konkret:
Da heizt einer oder eine mit 120 über die Landstraße, „erlegt“
einen Fuchs, einen Hasen, einen Waschbär, ein Reh .. die Frage ist nicht: Warum bist du Idiot so gerast?? Die Frage ist: woher bekomme ich meine Bescheinigung für die Versicherung!!
 
und anders:
 
erlegt einer der wenigen Wölfe, die gegenwärtig in alte Habitate zurückkehren, ein Tier, oder meinetwegen auch einige, ist das Geschrei groß!!
 
Wie ungleich Leben doch bemessen wird …
 
Wer bis hierhin meinen Gedanken gefolgt ist, wird merken: 
 
das ist doch auch ein Ring, ein Zusammenhang .. und ein sehr grundsätzliches Überlegen.
 
Der Sabbat, der Sonntag, die freie Zeit,  genau dafür ist sie da. 
Viele haben mehr als genug davon, andere nicht einen Wimpernschlag. 
 
Es gibt keine „Soße über den Rest“, damit es rund wird und mundet. Ihre Gedanken würden mich interessieren .. das gemeinsame Bedenken, Nachdenken und selbst schroffe Kritik ..
 
Andacht – An(ge)dacht .. beides hängt mit dem Denken zusammen …
 
aber vergesst das Herz nicht ...und bleibt gesund

 

Pfarrer Joachim Knitter erreichen Sie unter

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