Palmsonntag, Andacht zum 05.04.

  • erstellt 04.04.2020
  • aktualisiert 04.04.2020

 

Die im Video gesprochene Andacht finden sie nachfolgend als vollständigen Text mit der dazugehörigen musikalischen Begleitung durch von unserer Kantorin Katrin Wissemann eingespielten Stücke - einfach auf "Play" drücken... 


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen
Unsere Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, der Bund und Treue hält ewiglich und der nicht aufgibt uns, das Werk seiner Hände. Der Herr sei mit euch!


Liebe Gemeinde,
ich grüße Sie herzlich heute an Palmsonntag und lade Sie ein zu einem Gebet.
Herr, guter Gott, sammle unsere Gedanken zu dir, schau doch auf unsere Sorgen und Ängste!

Wie gern ginge ich in dein Haus, um dort gemeinsam mit vielen Menschen Gottesdienst zu feiern, das ist nicht möglich, aus Furcht vor einem Virus und aus berechtigter Angst vor Krankheit. Du aber, Herr, willst uns nahe sein, einem jeden dort, wo er gerade ist. Herr, Du bist unser Mittler, mache uns einig im Gebet. Wir sind besorgt und bekümmert und denken an die vielen Kranken in der ganzen Welt. Du aber, sagst: Sorgt euch nicht, ich sorge für euch!

Wir sind stark gefordert und genervt im Krisenalltag. Du aber, Herr, bist unsere Stärke, auf dich können wir hoffen. In Jesu Namen bitte ich, zeige uns Wege, die wir gehen können, schenke uns Gelassenheit im Alltag, stimme uns Milde im Streit, tröste alle, die krank, allein und traurig sind. Du hast Worte der Weisheit und Liebe. Öffne unsere Ohren und Herzen, damit uns dein Wort erreicht.
Amen.

Der Bibeltext für diesen Sonntag steht im Mk 14.
Die Geschichte handelt in Bethanien. Der kleine Ort liegt südöstlich von Jerusalem, etwa 2 ½ km von der Stadt entfernt. Die alten Ölbäume rauschen leise im Abendwind. Jesus ist, wie schon so oft, zu Gast in Bethanien. Er verweilt im Hause Simons, des Aussätzigen. Wie gewohnt sitzen die Jünger mit Jesus beisammen. Sie essen und erzählen. Doch etwas ist anders. Eine merkwürdige Stimmung liegt in der Luft. Während einige in stiller Vorfreude an das bevorstehende Passafest denken, grübeln andere über Jesu Worte nach. Was hat er gemeint? Was waren das für Reden von Tod und Auferstehung? Die Gefühle sind gemischt. Aber alle sind sicher, morgen gehen sie mit Jesus den Weg hinauf nach Jerusalem.
Die Männerrunde steckt gerade die Köpfe zusammen, als ein grauer Vorhang von zarter Hand beiseitegeschoben wird. Eine Frau gesellt sich zu ihnen. Sie ist jung und schön. In ihren Händen hält sie ein hübsches buntes Alabastergefäß. Zielstrebig, mit leichtfüßigen Schritten geht sie auf Jesus zu. Sie öffnet das Gefäß und ein holziger, aromatischer Kräuterduft breitet sich aus. Die junge Frau gießt das Öl sachte auf Jesu Haupt. Kostbares Nardenöl umfließt sein Haar. Eine Duftwolke erfüllt den kleinen Raum. Narde ist eine Baldrianart. Beruhigt der Duft die Seele?

Die Szene berührt mich. Mich fasziniert die vertrauensvolle Nähe zwischen Jesus und der Frau. Schnellen Schrittes hat sie die Distanz überwunden. Selbstverständlich nähert sie sich und der Herr hindert sie nicht. Jesus lässt Nähe zu.
Es herrscht Aufregung unter den Männern und eine Debatte entbrennt. Was soll diese Verschwendung? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können! Gibt es nicht genug Arme, die das Geld nötig gehabt hätten? Schroff und unwirsch stellen sie die Frau zur Rede. Hier mischt sich Jesus ein. In Vers 6 – 9 steht geschrieben:
Jesus aber spricht:
„Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat."

Während die Jünger noch rätselten, hat diese Frau bereits verstanden. Mit ihrem Herzen erfasst sie die Situation. Sie salbt sein Haupt mit kost-barem Öl - schon jetzt für sein Begräbnis.

Und Du und ich?
Mit gleicher Selbstverständlichkeit dürfen wir uns an Jesus wenden. Im Gebet mit einem offenen Herzen, das bereit ist, auf Ihn zu hoffen und alles zu erwarten. Auch und gerade jetzt! Ein Virus beherrscht die Welt und wir beten. Ich kann nicht sagen, wie der Herr auf unsere Gebete antwortet. Aber mir ist klar, wir sind nicht allein! Denn der Psalmbeter hat erfahren:
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen.        (Ps 145,18)
Gott, der Herr, nimmt unsere Gebete an. ER sieht die vielen Menschen, die bis zur Erschöpfung Dienst tun. Das Klinikpersonal, Polizei und Feuerwehr. Ob Ordnungs- oder Gesundheitsamt, ob den Helfern bei der Essensausgabe oder in der Nachbarschaftshilfe, unser Dank gilt euch allen, die ihr euch einsetzt! Ich bin gewiss, Gott, der Herr, freut sich über die Nächstenliebe, die in diesen Tagen bewiesen wird und ich glaube, der Herr steht euch zur Seite, denn
Gott ist treu!

Gebet:
Herr, mit unserem Gebet kommen wir zu dir, denn du bist unsere Hoffnung. Wir dürfen mutig sein, wie die junge Frau und fürchten uns nicht, denn bei dir ist Gnade und Barmherzigkeit.
Als Mensch auf der Erde hast du alle Höhen und Tiefen erlebt. Du verstehst uns. Nun sitzt Du zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, doch dein Geist ist mitten unter uns. Herr, unser Gott, bleibe bei uns, wenn wir zweifeln, bleibe bei uns, wenn unsere Kräfte schwinden, richte uns auf, wenn wir traurig sind. Hülle uns ein in deine Liebe, denn deine Liebe ist unermesslich. Guter Gott, ich bitte für alle Menschen, die helfen und organisieren, die Leben retten und den Menschen dienen. Erfülle sie mit deinem Geist, mit Geschick, Mut und Stärke.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns bewegt:

Und gemeinsam beten wir:
Vater Unser…
Amen.


Segen:

Der Frieden des Herrn sei mit euch allen!
Es schütze und bewahre uns Gott, der Herr!
Es segne uns der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
 

 

Pfarrerin Karin Bayer erreichen Sie unter

Telefon 02241 / 93 255 25

eMail k.bayer@ev-kirche-siegburg.de