Andacht zum 26.4.2020

  • erstellt 25.04.2020
  • aktualisiert 25.04.2020

 

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat zur Begleitung zwei Stücke eingespielt, die wir für Sie eingebettet haben, eins zu Beginn und eins gegen Ende - einfach auf "Play" drücken...


Liebe Leserinnen und Leser!

„Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier… „ Manche von ihnen mögen die musikalische Anspielung von Kantorin Katrin Wissemann erkannt haben. Es ist das Lied 168 in unserem Evangelischen Gesangbuch. Eigentlich ein Wechselgesang zwischen zwei Gruppen, weil der Ruf Gottes nach einer Antwort drängt.
Du hast und, Herr, gerufen … was ist meine Antwort?

Die Bibel erzählt, warum Gott den Menschen erschuf: „damit er den Garten Eden bebaue und bewahre“,  sich sicher auch daran erfreue, so wie Gott sich an seiner Schöpfung freute. Aber mit dem Geschenk des Lebens ist von Anfang an auch eine Aufgabe verbunden, aber auch eine die Sinn macht und Zufriedenheit geben kann. Ein Ideal? Ein schönes Ziel? Das Leben im Einklang mit der Schöpfung, mit allem, was lebt, könnte so schön sein … die Realitäten sehen oft anders aus.

In der St. Ludgeri-Kirche in Münster wurden bei einem Fliegerangriff im Krieg der Christusfigur am Kreuz durch ein Maschinengewehr beide Arme abgeschossen. Anders als in vielen anderen Kirchen wurde das Kruzifix nicht als Kunstgegenstand restauriert. Die abgeschossenen Arme bekamen auf dem Querbalken des Kreuzes stattdessen eine Inschrift: „ich habe keine anderen Hände als eure Hände!“
Du hast uns, Herr, gerufen …

Die Bibel erzählt von einem, der keinen Bock hatte, unterwegs zu sein „im Namen des Herrn“. Er wusste, dass das anstrengend sein kann. Er wusste, dass das gefährlich sein kann. Gefährlich, wenn man etwas gegen die vorherrschende Meinung sagen soll, wenn man nicht im „mainstream“ mitschwimmt. Wenn man die Herrschenden kritisieren soll ..

Dieser Mensch hielt sich, wie so viele Menschen, für recht klug. Er hatte einen Plan für sich. Allerdings hatte er nicht bedacht: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“!
Und er hatte nicht bedacht, was er gewiss gelernt hatte und sich in Psalm 139 findet:  „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, wurde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten“.

Die Geschichte geht gefährlich weiter. Sie wird auch ziemlich nass … und hätte den Tod für Jona bedeuten können. Seine Bewahrung ist in der biblischen Überlieferung so wesentlich geworden, dass sie sich im Fenster der Auferstehungskirche findet.

Jona und der Wal, im Fenster der Auferstehungskirche

 


Diese Geschichte ist als Erfahrung mit Gott auch so wesentlich, weil sie sowohl im Judentum wie im Christentum und Islam weiter gegeben wird. Als ich vor Jahren mit einer gemischtreligiösen Schülergruppe die Auferstehungskirche besuchte, war es eine muslimische Schülerin mit Kopftuch, der diese Szene im Fenster sofort auffiel: „Das ist ja der Prophet Jona!“ rief sie überrascht aus, und manche religiösen Vorbehalte wichen der Einsicht in so viele Gemeinsamkeiten des Glaubens.
Du hast uns, Herr, gerufen …

Bevor Jona so nass wird, kommt er zu einer bedeutenden Einsicht:  „Es liegt wohl an mir! Ich bin der Grund für diesen grossen Sturm, der alle das Leben kosten kann. Besser, ich gebe mein Leben in dieser Krise, als dass alle untergehen. Darum findet sich im Fensterbild der Auferstehungskirche das Bild Jonas im Schatten des Christus, der sein Leben für alle gab. Aber das Ende war weder für Jona noch für Jesus das Ende, sondern ein neuer Anfang. Für Jona sieht der so aus: Du hast mich, Herr, gerufen? Hier bin ich nun ...

Jona 3: Da machte sich Jona auf und ging hinein nach Ninive. Ninive aber war eine große Stadt, drei Tagesreisen gross. Als Jona eine Tagesreise weit gekommen war, begann er im Auftrag Gottes zu predigen: „Noch vierzig Tage, spricht der Herr, dann gibt es Ninive nicht mehr. Die Stadt ist gross, die Stadt ist schön, was böse ist, muss untergehen“
Aber anders, als Jona gedacht hatte, glaubten die Menschen seinen Worten. Sie ließen ein Fasten ausrufen und hüllten sich in Bussgewänder.
Und als der König das erfuhr: erschrak er auch und nickte nur. Sein Herold rief mit Hörnerklang.. Befehl: Ihr seid die Kleider und das Essen, ja selbst einmal das Vieh vergessen. Ihr sollt in Häusern und in Hütten den Herrn um sein Erbarmen bitten. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, dass unsere Stadt nicht untergeht.

 



Ninive, wie eine Blaupause der westlichen Welt heute ...
eine Megacity, drei Tagesreisen von einem Ende der Stadt zum anderen..
wohlhabend, schön anzusehen,
korrupt und auf Ausbeutung der Geringen angelegt,
ob Niedriglohn, oder Sklavenarbeit oder Beutezüge in anderen Ländern,
Knebelverträge beim Handel usw., oder was denen, die Macht haben, so einfällt zum eigenen Vorteil.

Diesem Ninive wird das Ende angesagt. Die Jonageschichte ist aus der Perspektive der Verlierer, der Geringen geschrieben. Wie ein roter Faden zieht es sich durch die Bibel, dass Gott eben ihr Leid irgendwann doch erhört. Jona richtet seinen Auftrag aus, aber es kommt nicht wie erwartet.
Als ich die Geschichte unter der heutigen Perspektive las, wird verordnet, was wir grade noch erleben: einen „shutdown des gesamten öffentlichen Lebens.“

Ihr sollt die Kleider und das Essen, ja selbst einmal das Vieh vergessen. Ihr sollt in Häuser und in Hütten, den Herrn um sein Erbarmen bitten … Die Bibel nennt das Fasten und sie nennt es Buße/Umkehr.

In der Jonageschichte geht am Ende doch alles gut aus, wie genau, wird für Ninive nicht gesagt. Aber sicher so, dass man nicht weitermachen kann wie bisher. Dass nur ein radikales Umdenken die drohende Katastrophe verhindert hat ...da ist kaum noch was, wie es war …

Wie der shutdown 2020 endet, und wann er endet, und ob es am Ende gut wird. Wir wissen es noch nicht, wir sind noch mittendrin. Aber es ist eben auch die Chance, dass nicht mehr alles genauso wird wie es war, sondern sich aus der Perspektive der Menschenfreundlichkeit, der Perspektive der Gerechtigkeit, aus der Perspektive Gottes für diese ganze Schöpfung erneuert. Die neu gefundenen positiven Erfahrungen könnten weiter gelebt werden und entwickelt werden. Damit am Ende auch 2020 alles gut oder mindestens besser wird.

Segen

Geht mit der Einsicht, dass wir als Christen Verantwortung tragen für alle Menschen.
Geht mit der Absicht, in Wort und Tat einzustehen für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
Geht mit der Aussicht, dass der Herr euch begegnet, wenn ihr den Geringsten Gutes tut
So segne euch der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen
 

 

Pfarrer Joachim Knitter erreichen Sie unter

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