Lesepredigt 9. Mai: Vereint im Lob Gottes

  • erstellt 09.05.2020
  • aktualisiert 09.05.2020

 

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat zur Begleitung zwei Stücke eingespielt, die wir für Sie eingebettet haben, eins zu Beginn und eins gegen Ende - einfach auf "Play" drücken... 


Wir dürfen inzwischen wieder zusammenkommen, um Gottesdienste zu feiern – wenn auch unter bestimmten Auflagen, insbesondere der, dass wir Abstand halten. Am nächsten Sonntag wollen wir damit starten und in diesem Rahmen auch die neue Osterkerze entzünden und das Osterlicht mit in die Häuser nehmen.

Heute greifen wir erst noch einmal auf das Leseformat zurück. Heute Abend werden wir außerdem einen ökumenischen Livestream aus der Abteikirche auf dem Michaelsberg senden. Aber auch dieser wird noch ohne anwesende Gottesdienstgemeinde gefeiert.

Inzwischen haben wir schon den vierten Sonntag nach Ostern. „Kantate“ nennen wir diesen Sonntag, weil die Antiphon des Wochenpsalms so beginnt: Kantate, Singt: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Ps 98,1)


Lied: EG 302 Du meine Seele singe:

Von seinem Namen her hat sich der Sonntag als der Sonntag der Kirchenmusik, insbesondere des Chorgesangs herausgebildet. Auch bei uns wäre unter normalen Umständen der Gottesdienst musikalisch besonders geprägt gewesen. In diesem Jahr hätte eigentlich Renate Struensee verabschiedet werden sollen und ihre Chöre hätten den Gottesdienst mitgestaltet.

Wir haben seit eineinhalb Jahren eine überarbeitete Auswahl an Predigttexten. Dem musikalischen Schwerpunkt ist es zu verdanken, dass an Kantate in diesem Jahr zum ersten Mal über einen bestimmten Text aus dem 2. Buch der Chronik gepredigt wird: nämlich 2. Chr. 5,2-14.

König David hatte die Bundeslade Gottes mit Tanz und Musik nach Jerusalem bringen lassen, aber keinen Tempel gebaut. Das tat dann sein Sohn Salomo. Als der Tempel fertig ist, soll die Bundeslade Gottes, die das Volk Israel durch die Wüste begleitet hat, nun in diesen Tempel gebracht werden. Die Wanderung des Gottesvolkes ist damit endgültig zu ihrem Abschluss gekommen.

Und dies wird groß gefeiert.

Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. 6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. 7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den Chorraum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, 8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Chorraum in der Tempelhalle sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. 10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. 11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass sie sich an die Ordnungen hielten –, 12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Mit großem Pomp und Aufwand wird der Tempel eingeweiht. Alle wichtigen Personen sind anwesend, der König, die Ältesten, das Volk, Priester und Leviten haben ihre Rolle. Die Bundeslade wird in den Tempel gebracht und am Ende erfüllt die Herrlichkeit Gottes das Haus.

Die Geschichte von der Tempeleinweihung gibt es zweimal in der Bibel. Im 1. Buch der Könige und hier. Die Erzählungen sind weitgehend identisch – bis auf die Musik. Die Chronisten, die die Geschichte von David und dem Königreich Juda neu aufgeschrieben haben, haben viel aus den Königsbüchern zitiert, aber gemerkt: hier fehlt etwas ganz Wichtiges: Die Musik. In den Königsbüchern gibt es denselben Pomp, Opfer und Priester und die Bundeslade wird in den Tempel gebracht, eine großartige Liturgie – aber ohne Instrumente und ohne Gesang.

Aber was ist ein Gottesdienst ohne Musik, ohne Gesang?
Das wird uns gerade jetzt schmerzlich bewusst, wenn wir darum ringen, ob wir angesichts von Corona in den Gottesdiensten, die wir ab dem 17. Mai wieder feiern, singen dürfen. Dabei ist der Gemeindegesang im Gottesdienst urevangelisch als Element der mündigen, aktiven Gemeinde: gemeinsam singend Gott zu loben, zu bitten, zu bekennen. Und wie stark prägt die Musik einen Gottesdienst? Musik erreicht noch einmal ganz andere Bereiche des Menschseins als nur Worte, sei es Orgel, Klavier, Band oder Bläser, die den Gesang unterstützen oder instrumental die Verkündigung vertiefen. Und dann erst die unterschiedlichen Chöre, die wir in der Gemeinde haben, die mit ihrem Gesang Teil der Verkündigung sind.

Ohne Musik fehlt dem Gottesdienst etwas ganz Entscheidendes. Das haben die Chronisten erkannt und der Geschichte einen eigenen Akzent gegeben – mit einer leichten Spitze gegen den unorganisierten Haufen der Priester, die sich nicht an Ordnungen halten. Die Leviten dagegen, eine Art niederer Klerus, werden aufgewertet. Sie spielen für die Chronisten eine wichtige Rolle – und die Sänger der Leviten noch einmal besonders. Am Anfang der 1. Chronik werden die Namen der Sänger sogar gesondert aufgezählt. Und auch hier bekommen die Leviten als Musiker eine Hauptrolle zugeschrieben, die im normalen Tempelkult verloren gegangen ist. Es ist spannend, was hier alles aufgezählt wird – und was wir bei uns auch wiederfinden: Chorgesang, Schlag- und Seiteninstrumente und sogar ein Posaunenchor von Priestern – wobei das Widderhörner sind und keine modernen Blechblasinstrumente.

Und spannend: In der Chronik ist es die Musik, der Gesang, der alle im Lob Gottes vereint und dazu führt, dass Gottes Herrlichkeit in den Tempel einzieht. Eine Wolke als Zeichen Gottes wie bei der Wüstenwanderung erfüllt den Tempel, so dass die Priester nicht ihren Dienst erfüllen können.

Auch das ein wichtiger Akzent: Bei all dem Aufwand, den die Menschen hier betreiben, er wird unterbrochen, wenn Gott selbst erscheint.

Wir freuen uns darauf, wieder gemeinsam als Gottesdienstgemeinde in der Auferstehungskirche Gottesdienst zu feiern. Und ich wünsche uns, dass wir die Gemeinschaft und die Nähe Gottes dann wieder erfahren im gemeinsamen Lob Gottes.


Lied: EG 288 Nun jauchzt dem Herren alle Welt

 

 

Wenn Sie über diese Andacht ins Gespräch kommen möchten..Gerne!

Pfarrer Matthias Lenz erreichen Sie unter

eMail M.Lenz@ev-kirche-siegburg.de