Ostern mal anders - Predigt zum 17. Mai

  • erstellt 17.05.2020
  • aktualisiert 17.05.2020

Gottesdienst 17. Mai 2020 open-air vor der Kirche

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Gott ist uns Licht und Heil, vor wem sollten wir uns fürchten?

Gott gibt uns Kraft und Mut, wovor sollten wir Angst haben?

Wenn etwas auf uns zukommt, drohend und gefährlich,

dann verlieren wir nicht den Mut.

Wenn wir meinen, wir schaffen es nicht, dann denken wir daran,

dass Gott uns hilft. Gott, sei du immer bei uns, dann sind wir nicht allein.

Lass uns den Weg deiner Güte gehen, denn wo Güte ist, da verschwindet die Angst, und das Leben kehrt wieder, das wir suchen.

(nach Psalm 27)

Wenn wir an Weihnachten denken, ist jedem sofort klar, wann das ist. Vom Glauben her ist Ostern das wichtigere christliche Fest, aber die Frage, wann wir das feiern .. da muss man schon zum Kalender greifen… Ostern ist ein bewegliches Fest. Wann wir feiern, richtet sich nach dem ersten Vollmond im Frühjahr.

In diesem Frühjahr mussten wir uns nach ganz anderem richten. Keine Ostergottesdienste dieses Jahr, deine Osterkerze, die noch nicht gebrannt hat, kein Osterfeuer, in dem wir in der Hoffnung auf die Auferstehung die Baumscheiben mit den Namen der im letzten Jahr Verstorbenen verbrennen …

Das ist eine zu pessimistische Sicht: heute ist Ostern, aber anders…

Nach längerer Zeit kommen wir endlich wieder zusammen zum Gottesdienst, wenn auch unter freiem Himmel vor unserer Kirche. Endlich sehen wir uns wieder, wenn auch auf Abstand.

Wir feiern das Leben, das stärker ist als jeder Tod.
Wir loben unseren Gott, der mit uns auch durch die tiefen und dunklen Täler des Lebens geht und uns nicht allein lässt.

Wir danken unserem Gott, der für uns wie ein guter Hirte sorgt.

Wir preisen unseren Gott, der alles geschaffen hat, was ist, zuerst das Licht, ohne das es kein Leben geben würde. Ostern ist das Fest des Lichtes, das einbricht in unsere Dunkelheiten. Das Licht, das auch den Tod überstrahlt. Es klingt so banal mit dem Licht, solange alles um uns herum hell ist. Ist es auch hell in uns? Die zurück liegenden Wochen haben so manche Dunkelheiten und Einsamkeiten mit sich gebracht.

Wir feiern vor der Auferstehungskirche. Die Feier des Lichtes ist in sie eingebaut, so wesentlich ist das. Als hier alles baulich noch ein bißchen aufgelockerter war, fiel das Abendlich durch die Glasbausteine golden auf die Altarwand. Als wir das Foyer erneuert haben mit dem neuen Fenster, da sollte auch das Licht im Mittelpunkt stehen.

Nach außen durch die stilisierte Sonne im neuen Fenster. Nach außen und innen durch biblische Texte vom Licht, die wir nachher hören werden. Und im Eingangsbereich durch den Brunnen und das Licht, der uns erinnert an die Grundlagen des Lebens .. und zugleich an unsere Taufe.

Eigentlich wird die Osterkerze in der Osternacht entzündet. In ihr würden früher die Menschen getauft. Bis heute entzünden wir jede Taufkerze an der einen, der Christuskerze, die in der Osternacht als einziges Licht die Kirche erhellt, bis die anderen Lichter an ihr entzündet werden.

 

Aus der Osternachtsliturgie stammt der Segen über das Feuer und das Wasser, den wir nun sprechen

(Entzünden der Osterkerze)

 

Segnung des Feuers

Lasst uns beten.
Allmächtiger, ewiger Gott, du hast durch Jesus Christus allen, die an dich glauben, das Licht deiner Herrlichkeit geschenkt.
Segne + dieses Feuer und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir, dem unvergänglichen Licht, damit wir mit reinem Herzen zum ewigen Osterfest gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Dein Heiliger Geist ist der Wind, der uns treibt, der Glaube ist das Segel, dass diesen Wind einfängt und uns voranbringt. Du bist das Gestern und Heute, Anfang und Ende, Alpha und Omega.

Gott, unser Schöpfer, wir bitten dich: Segne das Licht dieser Osterkerze, die uns den Weg weißt, und an der wir die Taufkerzen unserer Kinder entzünden:

Du bist das Licht der Welt. Wer dir nachfolgt, wird nicht im Dunklen tappen, sondern das Licht des Lebens haben.

(Gang mit Osterkerze zum Brunnen)

 

Segnung des Wassers

Allmächtiger Gott!

Du hast alles Leben geschaffen und kein Leben wäre ohne das Wasser.

Dein Sohn Jesus Christus hat dem Wasser eine noch größere Glaubensbedeutung gegeben. Er ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

Bis auf den heutigen Tag und in Ewigkeit sprechen wir Menschenkindern deine Nähe und Treue im Wasser der Taufe zu.

So bitten wir dich: Segne in diesem Wasser + alle Gewässer der Erde. Sie tragen deine Schöpferkraft in sich. Lehre uns den verantwortungsvollen Umgang mit diesem Grundelement des Lebens.

Dein ist Zeit und Ewigkeit. Amen

 

aus dem 1 Buch Mose

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

 

Aus dem Johannesevangelium

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.

 

Kurzansprache

Was leuchtet uns heute? Was gibt uns Orientierung?

Wenn es uns gut geht, leben wir oft so dahin, genießen das Leben mit seinen Annehmlichkeiten. Das ist auch gut so. Es sind die Zeiten, die unserer Seele Flügel verleihen, die unseren inneren Akku auffüllen für die anderen Zeiten des Lebens, die es auch gibt, und die immer wieder kommen.

Es sind die Zeiten, von denen wir Fotos aufbewahren, von denen wir unseren Enkeln erzählen wollen. Es sind die Zeiten, die zur Sprache kommen sollen, wenn wir Abschied nehmen müssen aus diesem Leben. Sinnbildlich stehen dafür die Baumscheiben mit den Namen der Verstorbenen. Der Blick auf die guten und die kargen Jahre, auch auf die Risse und Sprünge im Leben

Und der Blick voraus?

Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen, wenn Frieden und Freude und Gerechtigkeit, die Kreatur erlöst. Dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand

Das sind große Worte aus meiner Jugendzeit. Die Friedensbewegung war stark und viele engagierten sich. Auch heute engagieren sich viele, ermutigen sich gegenseitig, rufen an, kaufen füreinander ein ... Da ist viel passiert in den letzten Wochen. Das ist ein Licht in unseren Tagen.

Auf dem Vorplatz unserer Kirche gibt es viele Kreidebilder .. Kinder die eine Sonne oder einen Regenbogen malen oder einen Vogel. Bilder, die vom Regen gelöscht werden aber dennoch da waren. Manchmal nur Kritzeleien, die uns dennoch ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Sie werden immer wieder erneuert .. und geben auch so das Licht weiter, dass mit der Liebe Gottes in diese Welt gekommen ist.

 

Joachim Knitter