Morgenlicht leuchtet!

  • erstellt 23.05.2020
  • aktualisiert 23.05.2020

Andacht 24. Mai 2020
 

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat zur Begleitung zwei Stücke eingespielt, die wir für Sie eingebettet haben, eins zu Beginn und eins gegen Ende - einfach auf "Play" drücken...

Einspieler „Morgenlicht leuchtet“


Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang, Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt … so steht es in unserem Gesangbuch. Bei der Melodie werden einige an Cat Stevens denken: „Morning has broken … Er hat das Lied bekanntgemacht vor knapp einem halben Jahrhundet, aber es ist eigentlich ein altes Volkslied:

Am letzten Sonntag haben wir vor der Auferstehungskirche mit dem Entzünden der Osterkerze und dem Osterfeuer das Licht gefeiert. Wer die Andacht von letzter Woche gehört oder gelesen hat, hat erfahren, das das Motiv des Lichtes vielfach in die Auferstehungskirche „eingebaut“ ist.

„Morgenlicht“ leuchtet spielt auch darauf an, meint aber das Staunen,
- wenn die Sonne durch die hellgrünen jungen Blätter des Buchenwaldes bricht,
- wenn der Tau am Morgen auf den Grashalmen glitzert und dann zu verdampfen beginnt,
- wenn der Gesang der Vögel den neuen Morgen ankündigt …
- wenn das erste Stückchen Sonne über einen Gipfel klettert ..

Es gibt so viele Momente, die das in uns auslösen, auch im Rhythmus der Jahreszeiten. Wer einmal gesehen hat, wie der Rauhreif die Spinnennetze in den Wiese sichtbar macht und sich das Morgenlicht noch einmal anders darin bricht, muss schon ziemlich abgestumpft sein, um nicht über solche Schönheit zu staunen.

Genau dieses Staunen ist mein Thema heute. Ich habe schon öfter im Fönwetter auf Berge gestanden und eine Fernsicht in der klaren Luft der Gegirge erlebt, manchmal 100 km weit und immer wieder glitzerten Gletscher weiß dabei. Ein erhabenes Gefühl. Noch nie aber hatte ich so eine Sicht so ein Gefühl in unserer Ballungsregion. Ich habe es mehrfach erlebt: Von Heide aus im Blick über die Kölner Bucht, das hat man ja ab und zu. Jetzt kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus, weil eine Sicht bis weit in den Braunkohletagebau oder die Eifel ohne Trübung möglich war. Die Sicht war so plastisch, so nah, als hätte ich hinspringen können. Es hatte fast etwas Irreales, grade weil ich es so noch nicht erlebt hatte. Es ging mir aber auch auf mehreren Fahrten zum Edersee so. Das ganze Land schien aus sich selbst heraus zu strahlen.

Für solches Erleben gibt es einen besonderen Grund: die Einschränkungen durch die Corona-Krise. In den Nachrichten hieß es, der Luftverkehr sei auf den Stand von 1955 zurückgefahren. Da war ich nicht einmal geboren. Als ich dann klein war, war es ein seltenes Ereignis, den Kondenzstreifen eines Flugzeuges am Himmel zu entdecken und den Freunden zu zeigen, obwohl ich im Einzugsbereich des Düsseldorfer Flughafens aufwuchs.
Aber nicht nur der der Flugverkehr, auch der Autoverkehr war drastisch reduziert durch die Kontaktverbote. Nur die nötigsten Fahrten waren erlaubt. Eine Reihe von anderen Massnahmen wie reduzierter Stromverbrauch, kaum noch Emissionen aus Fabriken haben dazu beigetragen….

Plötzlich wurde spürbar und wahrnehmbar, wie sehr  die Einschränkungen, die sich im sozialen Bereich wirklich drastisch und schlimm  auswirkten und auswirken, in der Natur ein Aufatmen bewirkten. Täglich wurde die Luft klarer und das Licht, auch das Morgenlicht kräftiger …

Schöpferlob der ganzen Welt… schon vor sechs Wochen wurden Delphine in Häfen gesichtet und Menschen am Ufer, die sich freuten. Klare Kanäle in Venedig, die bis auf den Grund sehen ließen …

Alles sehnen sich danach, dass die Einschränkungen vorbei sind, ich auch. Aber nicht einfach zurück zur alten Zeit.

Am letzten Sonntag stand der Anfang der Schöpfungsgeschichte im Mittelpunkt. Und Jesus als das Licht der Welt, durch dessen Auferweckung ein neues Licht in diese Welt kam.

Heute möchte ich daran erinnern, dass die Schöpfungsgeschichte ja noch weiter ging …

!. Buch Mose

Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. 21 Und Gott schuf große Seeungeheuer und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. 23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. 24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. 25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

 

Einspieler: Bewahre uns Gott

Auf allem, was lebt, ruht der Segen, auf den Tieren des Meeres, der Luft und des Landes, und auf dem Menschen. Aber eben nicht exklusiv auf den Menschen.
Aktuell geht der Skandal in den Fleischfabriken durch die hohen Infektionszahlen in den menschenunwürdigen Unterkünften um. Das ist erschreckend, was da skrupellos in Kauf genommen wird. Aber wer redet von den Tieren und ihrer Aufzucht, bei der Schlachtung...
Das ist nur ein ganz aktuelles Beispiel, dass wir nicht zu einem alten Handeln zurück dürfen, auch um unserer selbst willen.
Die mutmaßliche Entstehung des Virus geht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das, was den Tieren widerfährt auch die Menschen befallen könnte, und nun vielleicht hat. Wir teilen das gleiche Schicksal, das sagte aber schon der legendäre Häuptling Seattle, als die Weißen sein Land kaufen wollten. Diese Rede können Sie ja mal googeln. „Alle Dinge sind miteinander verbunden .. wir atmen die gleiche Luft, Mensch und Tier ...usw.)

Leuchtendes Morgenlicht ermöglicht uns, das Leben noch einmal zu denken, als „Miteinander“ leben.
Nicht die Missstände in den Fleischbetrieben sind der alleinige Skandal, sondern die Massentierhaltung gleich welcher Art. Tiertransporte, die quer durch Europa gehen je nach Marktlage. Ich bin kein Vegetarier, obwohl ich das nicht mehr ausschließe. Aber jenseits der Tierhaltung und Schlachtung und massenhaften Verzehr nicht unbedingt zu unserer Gesundheit wird auch Gülle produziert, in der Viren und Medikamentenrückstände fröhlich auf unsere Felder und Wiesen gefahren werden. Und zwar nicht nur regional. In großen Tankwagen kommt auch Gülle vor allem aus den Niederlanden und wird in unsere Böden verklappt… Da können sie noch so viele Grenzen schließen. Das wird sich auch im Wasser verbreiten...

Oder nehmen wir den Flugverkehr, der in besonderer Weise unsere Luft verunreinigt und die Ökobilanz unseres Lebens schwer belastet. Ich gönne jedem seinen Urlaub, aber muss man für einen Tag zu Billigtarifen in eine der Metropolen zum Shoppen fliegen? Oder dreimal im Jahr nach „Malle“? Oder Früchte oder Blumen um den halben Globus fliegen? Gucken sie mal, wo nicht nur im Winter viele Früchte herkommen. Es wäre viel gewonnen, wenn wir  hier zu regionalerem Denken und Handeln kommen. Und wenn dann gesagt wird, das sei teurer, werden die ganzen „Nebenkosten“, die die Natur trägt und wir selbst am Ende auch, vernachlässigt.

Oder im Verkehr .. Wer Bus oder Bahn auf absehbare Zeit nicht nutzen möchte wg Maske etc. muss nicht aufs Auto umsteigen, je nachdem. Das Fahrrad verzeichnet in vielen Regionen einen großen Boom, wenn ihm Möglichkeiten und Vorrechte wie dem Auto eingeräumt werden. Städte wie Kopenhagen oder Münster oder andere machen das längst. Wenn es Millardeninvestionen wg der Wirtschaft geben soll, dann doch am besten in eine innovative Infratsruktur und nicht in alte Technik

Die Krise, in der wir noch auf absehbare Zeit leben müssen, könnte in vielen Bereichen des Lebens Energien und Phantasie freisetzen.
Es würde der Achtung vor allem was lebt, erheblich gerechter, als alles was vorher war.

Morgenlicht leuchtet .. Schöpferlob klingt. Lassen wir es auch in unserem Leben klingen ..
  

Pfarrer Joachim Knitter erreichen Sie unter

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