Predigt zum Pfingstsonntag

  • erstellt 03.06.2020
  • aktualisiert 03.06.2020

Predigt Apg 2,1-21
Gnade sei mit euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus (1.Kor.1,3)

 

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat zur Begleitung ein Stück eingespielt, das wir für Sie eingebettet haben - einfach auf "Play" drücken... 


Liebe Gemeinde,
wenn wir auf eine größere Baustelle gehen, dann herrscht da viel Trubel. Es ist laut und der Umgangston ist oft schroff. Handwerker und Arbeiter verschiedener Gewerke arbeiten in enger Folge oder zeitgleich, jeder an seinem Auftrag. Und doch, eines hängt mit dem anderen zusammen. Die Fliesenleger und Elektriker können erst arbeiten, wenn die Putzer fertig sind. Eines gibt das andere und alles hängt zusammen. Handwerker aller Herren Länder arbeiten bei uns. Jeder bringt spezielle Kenntnisse und Erfahrungen mit. Aber, wenn die zusammenarbeiten sollen, dann müssen sie sich auch verstehen – und das ist nicht immer einfach!
In Jerusalem waren Menschen aus aller Herren Länder beieinander. Auch da haben sich nicht alle verstanden, aber dann geschah Erschreckendes. Lesen Sie, was Lukas in der Apostelgeschichte im Kapitel 2 berichtet!



1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.



Halten wir fest: Es geschieht nicht ein Rauschen, sondern ein Brausen vom Himmel, ein Tosen wie von gewaltigem Wind - und das im Haus!
Es erscheinen ihnen Flammen, die sich auf den Kopf der Menschen setzen. - Welch erschreckendes Schauspiel! Verwunderung, Chaos und Entsetzen bricht aus. Entgegen aller Erfahrungen verstehen sich die Menschen. Da könnte doch Frieden sein – aber nein, noch ehe sie begreifen, ist das Vorurteil gefällt! Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu! Die sind doch betrunken! Und die Spötter haben gut lachen. Das kann man nicht so stehen lassen. Petrus ergreift das Wort.
14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

„Für Wind, Atem und Geist gibt es nur ein hebräisches Wort: "RUACH". Atem, Geist und Wind stehen in enger Verbindung mit dem Handeln Gottes. Wo Gott uns seit der Schöpfung Leben schenkt, geschieht das als Atem, als Wind, mit dem er uns ins Leben ruft.“ Geist und Wind, kann niemand sehen, - aber spüren. Beide dringen an unser Ohr "im Flüstern oder Brausen wie ein mächtiger Chor." Dieses „Geschwisterpaar“ Geist u. Wind entfaltet ein Wirken, das Menschen verändert.
Wer in Atemnot gerät, bekommt es mit der Angst zu tun. Und wer nach dieser entsetzlichen Attacke frei atmen kann, der fühlt sich wie neu geboren. So wirkt auch der Heilige Geist. Er belebt uns neu. Die Angst vergeht und Hoffnung keimt auf. Ideen reifen, Pläne werden geschmiedet. Es gibt eine neue Perspektive. Getragen von Gottes-Geistes-Gegenwart verlieren wir nie den Mut, auch nicht in schwierigen Zeiten. "Kommt der Geist zu uns, ist Gott selbst da. Sein Geist führt ins Weite und ermöglicht Zukunft. Begeistert leben heißt nicht, ohne Halt zu sein!“ Wohin der Wind dich im Leben trägt, sei es auf kleinstem Raum, du findest Halt.
Jesus hat uns gelehrt und vorgelebt, was wirklich zählt, damit wir glücklich werden. Unsere Hilfe kommt von ihm. Gott ist der Wind, der uns dem Himmel entgegentreibt.
Haben Sie schon einmal einen Papier- oder Stoffdrachen an einem Strand oder auf weiter Wiese steigen lassen? Kräftig zieht der Wind an den Seilen. Nicht immer lässt sich der Drachen dahin lenken, wohin er soll. Manchmal muss man das akzeptieren, zulassen, dass es eine andere Richtung nimmt. So ist das im Leben auch. Gottes Geist wirkt wo er will und wie er will. Doch er ist der Aufwind unseres Lebens. Mag er auch manchmal unsere Pläne und Wünsche durcheinanderwirbeln, Gottes Geist kennt das Ziel.
Mich beschäftigt noch die Frage: Warum erscheint Gottes Geist Pfingsten nicht als Taube, sondern als feurige Flammen? Auskunft gibt unser Sprachgebrauch:
An manchen Dingen haben wir ein brennendes Interesse. Die Liebe brennt und Wasser kann dieses Feuer der Liebe nicht löschen. Sehnsucht brennt. Und dann wieder haben wir eine zündende Idee.
Männer und Frauen, die von Gottes Geist erfasst werden, haben ungeheuren Mut. Sie spüren mit dem Herzen die Geistesgegenwart. Sie sind Feuer und Flamme und wovon das Herz voll ist, geht der Mund über! Sie reden, haben ein brennendes Interesse, Gottes Wort zu sagen. Nicht immer treffen sie auf Verständnis, nicht jeder öffnet seines Herzenstür, aber wo sie gehört werden, da bewegt sich etwas. „Geist kannst du nicht sehen; doch hör, wie er spricht
tief im Herzen Worte voller Trost und Licht.“ Gottes Geist ist ein Zeichen seiner Liebe. Er stärkt und trägt, greift in unser Leben ein, gibt ihm eine neue Wendung, er tröstet und behütet. Gottes Geist ist unhörbar. Gehst du in die Stille und lässt es zu, dann spürst vielleicht auch du, etwas rührt mich an. Das zu fühlen ist Gnade. „Wo Gottes Geist uns auch erfasst, wie David singen wir.“ Wir singen, bewahren die Ruhe, hegen Hoffnung und sind nicht so leicht kleinzukriegen, denn wir haben ein festes Fundament:
Wir wissen uns getragen von der Liebe Gottes.
Der Gott der Hoffnung erfülle uns mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass wir immer reicher werden an Hoffnung durch die Kraft des Hl. Geistes. Amen

 

Wenn Sie über diese Andacht ins Gespräch kommen möchten..Gerne!

Pfarrerin Karin Bayer erreichen Sie unter

Telefon 02241 / 93 255 25

eMail K.Bayer@ev-kirche-siegburg.de