Wofür leben wir? Und wie leben wir?

  • erstellt 09.06.2020
  • aktualisiert 09.06.2020

Gedanken zu einem Psalm … (Psalm 90)

Kantorin Katrin Wissemann (siehe auch: "Kirchenmusik") hat zur Begleitung zwei Stücke eingespielt, die wir für Sie eingebettet haben, eins zu Beginn und eins gegen Ende - einfach auf "Play" drücken...

Einspieler „Brunn allen Heils, dich ehren wir“



Wir haben eine einzige Gewissheit, wenn wir auf diese Erde kommen: Wir werden sterben!
Wann das sein wird, oder wie das sein wird, und warum das sein wird, das ist alles offen. Vor einigen Jahren haben ich im Gedenken an die Verstorbenen des letzten Jahres zum Ewigkeitsonntag Namen und Alter verlesen lassen. Die jüngste war mit 6 Tagen verstorben, die Älteste wurde 105 Jahre. Das fällt schon ziemlich auseinander...

Andererseits .. jetzt daran denken, wo das Leben endlich wieder aufblüht und die Regelungen zu Covid 19 endlich weitgehend gelockert sind? Das gehört doch in eine ganz andere, die trübe Zeit des Jahres. Vielleicht, aber in dem Psalm heißt es: Unser Leben währet 70 Jahre und wenn es hoch kommt, so sind es 80 Jahre …
und die Antwort von heute dazu: „aber ab 50 beginnst du, zur Risikogruppe zu gehören, ab 60 Jahre gehörst du ziemlich sicher dazu… und es sind auch schon recht junge Leute betroffen gewesen und gestorben.

Eines ist sicher: Wir werden sterben! Aber vorher rechnen wir uns mit Wahrscheinlichkeiten Risikos und Möglichkeiten aus. Jeder möchte gerne alt werden, aber wie? Und wie alt?
In Zeiten, in denen zigtausende von Toten unser Leben in den Bann gezogen haben, tut es vielleicht gut, nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu verharren!

Lehre uns bedenken, das wir sterben müssen, auf das wir klug werden oder klug leben.

Klug leben, ist das die Maximierung unserer Jahre? Bei Trauerfeiern stellt sich die Frage dringender. Wie und wofür hat der oder die, von der wir Abschied nehmen, gelebt? Wesentlicher aber ist die Selbstreflexion: Wie und wofür lebe ich?

Wer auf die Jahresringe eines Lebens zurückblickt, sieht die guten und fetten Jahre ebenso wie die Zeiten des Mangels und der Not. Eigentlich gehört das zum Leben aller Kreaturen dazu. Gute Zeiten vs. Schlechte Zeiten.

Aber es gibt auch Menschen, die sterben, „ohne richtig gelebt zu haben“. Denn zum Leben gehört auch Wagnis, gehört der Mut zur Veränderung. Jüngeren fällt das manchmal leichter, denkt man. Dabei ist die Trägheit oder das sich Abfinden mit dem, was ist, bei nicht wenigen in jungen Jahre schon da. Das kann mit Schulabbruch, mangelnder sozialer Perspektive oder auch einem großen Frust einhergehen, wie wir mit diesem Planeten umgehen. Welche Zukunft haben wir denn noch?
„Fridays for Future“ ist für mich so ein Weckruf, dass wir, und insbesondere die Jüngeren sich nicht abfinden, sondern Kämpfen. Das ist nötiger denn je, denn wer spricht nach Covid 19 noch vom Klimawandel? Dabei könnten viele vermeintlichen Einschränkungen positiv umgesetzt auch ein Segen sein.

Das bringt mich zu einem  zweiten Gedanken zum Psalm: Wenn wir sterben müssen, denken wir vor allem an uns selbst, und dass es uns gut geht? Und heißt es am Ende: Du hast auf Kosten anderer gelebt? Hast du andere benutzt, um deinen Vorteil, deinen Spaß zu haben? Es ist ein weites Feld, wo und wie wir auf Kosten von anderen leben. Wenn ich das entfalte, kommt es zu einem Roman. Und dennoch ist diese Frage für jeden wichtig …

Ein dritter Gedanke: Immer wieder gibt es Menschen, die nicht krampfhaft auf ihr eigenes Leben achten, und es festzuhalten suchen. Sie helfen, sie heilen, sie arbeiten sich ab, sie opfern sich auf, und manchmal geben sie sogar ihr eigenes Leben – für andere! Ist das ein kluges Leben im Angesicht der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit?
Von Jesus wird gesagt, er gab sein Leben für die Welt als Sohn Gottes. Hohe und große Worte, aber zu den zentralen Aussagen des christlichen Glaubens gehört dies „Füreinander da sein und einstehen“, und am Beispiel Jesu ist es nicht beim Tod, sondern einem neuen Leben geblieben.

Wenn der Tod nicht mehr das letzte Wort hat, können Menschen anders leben. Viele Menschen, nicht nur Christen, sind diesem Beispiel gefolgt und haben ihr Leben für andere gegeben.
Für manche war das in Kriegszeiten so … aber wir erleben es auch in unseren Zeiten: Ärzte, Schwestern und Pfleger, Forscher, Polizistinnen und Feuerwehrleute .. viele Beispiele wären zu nennen.

Mich hat in Jugendtagen eine Geschichte schwer beeindruckt, die ich heute noch manchmal weitergebe:
Sie handelt von zwei Piloten, deren Flugzeug in Brand geraten ist und absehbar abstürzen wird. Sie sind allein an Bord und wollen notlanden. Der Co-Pilot überredet den Piloten, mit dem Fallschirm abzuspringen. Er würde selbst abspringen, sobald er die Maschine von der kleinen Stadt vor ihnen weg gelenkt hat, so seine Zusage an den Kollegen.
Es gelingt ihm, die brennende Maschine von der Stadt wegzulenken und will auf einer Wiese notlanden. Da entdeckt er auf der Wiese spielende Kinder, die die Gefahr nicht erkennen und weglaufen, sondern wie gebannt auf das brennende Flugzeug starren. Er dreht er ab und das Flugzeug zerschellt in einem nahen Wald.

Einspieler „Brunn allen Heils, dich ehren wir“

 

Lehre uns bedenken, das wir sterben müssen, auf das wir klug leben. Jesus hat daraus gemacht: Wer sein Leben festhalten will, der wird es verlieren. Wer sein Leben hingibt für andere, der wird es gewinnen und das ewige Leben haben.

 

 

Pfarrer Joachim Knitter erreichen Sie unter

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